Station 8: Wasserrad

Station 8: Wasserrad
Wenn Sie hier stehen und das grosse Wasserrad vor sich sehen, dann blicken Sie auf das Herz der frühen Industrialisierung des Greuterhofs – auf die Maschine, die buchstäblich alles ins Rollen brachte.
Ende des 18. Jahrhunderts war Wasser nicht nur lebenswichtig, sondern auch die wichtigste Energiequelle. Die Färberei benötigte enorme Mengen davon – zum Spülen, Färben, Bedrucken und Antreiben der Maschinen. Doch Islikon hatte ein Problem: Wassermangel.
Bernhard Greuter wäre aber kein Pionier gewesen, hätte er sich davon aufhalten lassen. Er liess den Tägelbach umleiten, hob sieben Weiher aus und schuf damit ein geniales System aus natürlichen und künstlichen Wasserreservoirs. Diese Weiher dienten als Speicher, regulierten den Wasserstand und sorgten selbst in trockenen Sommern für einen gleichmässigen Zufluss.
1799 setzte Greuter noch eins drauf: Er baute ein über acht Meter grosses oberschlächtiges Wasserrad – eine technische Meisterleistung seiner Zeit. «Oberschlächtig» bedeutet, dass das Wasser von oben auf die Schaufeln des Rads geleitet wird.
Über eine sogenannte kommunizierende Röhre – also ein Rohrsystem, das den Druck des Wassers gleichmässig verteilt – wurden die Schaufeln mit 100 Litern Wasser pro Minute gefüllt.
Das Gewicht des Wassers trieb das Rad an – und mit ihm eine Welle, die auf einem stabilen «Königsstuhl» ruhte, einer Art steinerner Fundamentbank.
Die erzeugte Leistung betrug rund ein Kilowatt – genug, um die frühen Färbe- und Druckmaschinen der Fabrik anzutreiben. Für die damalige Zeit war das enorm: eine der ersten Formen mechanisierter Textilproduktion im ländlichen Raum.
Das abfliessende Wasser wurde clever weitergenutzt – es floss durch offene Kanäle in den Kellerräumen des Gebäudes und sorgte dort im Sommer sogar für eine natürliche Klimatisierung.
So verband Greuter technische Innovation mit praktischer Nachhaltigkeit – lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab.
Das Wasserrad und die Weiher waren mehr als technische Hilfsmittel – sie symbolisieren den Einzug der Moderne in eine bäuerlich geprägte Welt. Sie machten es möglich, dass die Arbeit schneller, präziser und weniger mühsam wurde – und gaben dem Greuterhof den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Heute dreht sich das restaurierte Wasserrad wieder – nicht mehr als Produktionsmaschine, sondern als Denkmal des Fortschritts.
Das sogenannte «Wasserrad-Foyer» bildet heute den stimmungsvollen Rahmen für Empfänge und Veranstaltungen.
Wenn Sie das Rauschen des Wassers hören und das mächtige Rad sich drehen sehen, kann man leicht vergessen, wie knapp dieses Stück Industriekultur dem Untergang entkommen ist. Denn nach dem Niedergang der Textilproduktion stand der Greuterhof jahrzehntelang leer – verfallen, gefährdet, beinahe verloren.
Dass das Wasserrad heute wieder läuft und der Greuterhof in neuem Glanz erstrahlt, ist nicht selbstverständlich. Es brauchte einen Menschen, der das Potenzial dieses Ortes erkannte – und den Mut hatte, ihn zu retten.
👉 An Station 9 begegnen Sie diesem Menschen: Hans Jossi, dessen Engagement, Herzblut und Weitblick den Greuterhof vor dem Abriss bewahrten und ihm eine zweite Zukunft schenkten.
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