Station 2: Haus „Zum Sternen“

Rundgang Station 2

Wir stehen hier vor dem Haus «Zum Sternen» – einem unscheinbaren Gebäude mit grosser Geschichte.

Haus zum Sternen

Im 18. Jahrhundert war es eine Taverne – und die erste Station an der wichtigen Postkutschenroute zwischen Zürich und Konstanz. Hier hielten die Kutschen an, die Pferde wurden gewechselt, die Reisenden streckten die Beine, wärmten sich bei einer Mahlzeit, vielleicht bei einem kräftigen Schnaps – und fuhren dann weiter.

Und genau hier beginnt die Geschichte des Greuterhofs.

Das Wirtshaus gehörte der Familie Wettstein. Als Bernhard Greuter 1773 Maria Magdalena Wettstein heiratete, heiratete er nicht nur in eine Familie – er wurde Teil eines funktionierenden Dorfzentrums. 1777 baute er im Anbau des Wirtshauses seine erste Indigo-Färberei. Dort, wo zuvor Bier ausgeschenkt wurde, wurden nun Stoffe gefärbt, Muster gedruckt und Innovationen vorangetrieben.

Diese Verbindung von Wirtshaus und Werkstatt war typisch für die Anfänge der Industrialisierung: Der Gasthof lag an einer gut frequentierten Strasse – Reisende, Händler und Arbeiter gingen ein und aus. Das war kein abgelegener Fabrikkomplex, sondern ein pulsierender Ort, an dem Wirtschaft, Handwerk und Gesellschaft aufeinandertrafen.

In den folgenden Jahren wuchs aus diesem kleinen Anbau ein richtiger Industriebetrieb. Bernhard Greuter verband das Haus „Zum Sternen“ mit dem benachbarten Haus „Zum Pflug“, weiteren Werkstattgebäuden und Wohnhäusern. So entstand Schritt für Schritt ein klosterähnliches Geviert – ein geschlossenes Ensemble mit Werkstätten, Lagerräumen, Trocknungsflächen und Unterkünften.

Die Lage war ideal: Nur wenige Kilometer entfernt befand sich Winterthur, damals eines der wichtigsten Handelszentren für Baumwolle in der Schweiz. Diese Nähe eröffnete neue Märkte, erleichterte den Zugang zu Rohstoffen und brachte Wohlstand nach Islikon.

Die Produktion expandierte rasant: Um 1837 arbeiteten hier bereits rund 400 Menschen an 150 bis 180 Drucktischen, später sogar an 350 Tischen und fünf rotierenden Druckmaschinen. Überall wurde gefärbt, gedruckt, getrocknet und verpackt – der Duft von Indigo und frischen Stoffen lag in der Luft.

Und auch die Landwirtschaft blieb Teil des Systems: Ein grosser Schopf diente gleichzeitig zur Trocknung und zur Versorgung der Fabrik. Wirtschaft, Handwerk und Landwirtschaft waren hier eng miteinander verwoben – ganz im Sinne des Unternehmers Greuter, der pragmatisch dachte und systematisch erweiterte.

Das Haus „Zum Sternen“ markiert damit den historischen Wendepunkt von der traditionellen Dorfwirtschaft zur modernen Industrieproduktion. Was einst ein Gasthaus war, wurde zum Herzstück eines Textilimperiums – und steht bis heute symbolisch für den Pioniergeist dieser Epoche.

Hier, an einer alten Postkutschenstation, nahm ein neues Kapitel der Schweizer Wirtschaftsgeschichte seinen Anfang.

👉 An der nächsten Station werfen wir einen genaueren Blick auf die Architektur – und darauf, wie Bernhard Greuter sein Fabrikareal nicht nur funktional, sondern auch repräsentativ gestaltete.

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