Station 7: Der Innenhof des Gevierts

Rundgang Station 7

Wenn Sie jetzt im Innenhof des Greuterhofs stehen, befinden Sie sich im Herzen einer über 200-jährigen Industriegeschichte.

Dieser Hof war einst das Zentrum des geschäftigen Fabrikbetriebs – hier wurde gefärbt, getrocknet, getragen, gehandelt. Heute herrscht Ruhe, doch die Mauern erzählen noch immer vom Takt der Arbeit, vom Klang der Druckmaschinen, vom Leben zwischen Werkstatt und Wohnhaus.

Der Innenhof ist trapezförmig angelegt – also leicht unregelmässig, fast wie ein schiefes Rechteck – und von drei Seiten begehbar. Die Gebäude ringsum umschliessen ihn zu einem geschlossenen Geviert – einer quadratähnlichen Anlage, wie man sie sonst von Klöstern oder Schlosskomplexen kennt. Dieser monastische Charakter – ruhig, geordnet, in sich geschlossen – war kein Zufall: Der Greuterhof sollte Beständigkeit und Struktur ausstrahlen, auch in Zeiten des industriellen Aufbruchs.

Die Anlage wuchs über Jahrzehnte. Zunächst standen hier das Wohnhaus «Zum Sternen», das «Haus zum Pflug», ein Gewerbehaus und das Fabrikgebäude. Jede Erweiterung brachte neue Funktionen – Werkstätten, Lagerräume, Wohnräume – und veränderte leicht das Erscheinungsbild.

So entstanden die unterschiedlichen Dachformen und Höhen, die Sie heute sehen – sichtbare Spuren der verschiedenen Bauetappen zwischen 1777 und 1799.

Nach Jahrzehnten intensiver Nutzung und späterer Vernachlässigung wurde der Greuterhof zuletzt 2020 umfassend saniert. Die Stiftung und der Verein Greuterhof investierten 2,6 Millionen Franken, um das Denkmal in die Zukunft zu führen. Dabei wurden Dach und Fassaden erneuert, alte Fensterbänke restauriert und Nasszellen modernisiert.

Ein besonderes Augenmerk galt der Barrierefreiheit: Ein neues Treppenhaus und ein Lift erschliessen seither das gesamte Gebäude – vom historischen Keller bis in die modernen Seminarräume. Heute ist der Greuterhof rollstuhlgängig, ohne dass sein historischer Charme verloren ging.

Auch innen hat sich viel verändert: Der Jossi-Saal, benannt nach dem Retter und Förderer Hans Jossi, wurde vergrössert und ist heute ein zentraler Veranstaltungsraum. Im ehemaligen Foyer entstand eine Kaffeebar, die bei Veranstaltungen und Seminaren genutzt werden kann.

Begleitet wurde die Sanierung von der kantonalen Denkmalpflege, die darauf achtete, dass jedes Detail – von den Sandsteinrahmen bis zu den Dachziegeln – dem ursprünglichen Charakter entspricht. So vereint der Greuterhof heute historische Authentizität und moderne Funktionalität.

Doch was hielt diesen Betrieb vor 200 Jahren in Bewegung? Wie konnten Hunderte Meter Stoff gefärbt, bedruckt und getrocknet werden – lange bevor es Strom, Motoren oder moderne Maschinen gab? Die Antwort liegt nur wenige Schritte entfernt.

👉 Station 8 führt Sie zu einem der bedeutendsten technischen Meisterwerke des Greuterhofs – dem mächtigen Wasserrad, das einst die Energie für die gesamte Färberei lieferte.

Begeben Sie sich nun zu Station 8

Station 7: Der Innenhof des Gevierts
QR-Code Scannen