Station 4: Haus «Zum Pflug» – Färberei und Textildruck

Rundgang Station 4

Wenn Sie heute vor dem Haus „Zum Pflug“ stehen, sehen Sie ein ruhiges, solides Gebäude. Doch im 19. Jahrhundert war hier das Herz der Textilproduktion in Islikon: die Färberei und Stoffdruckerei.

Bernhard Greuter stellte sogenannte Indiennes her – bunt bedruckte Baumwollstoffe, die im 18. Jahrhundert ein echter Modetrend waren. Ursprünglich kamen sie aus Indien, wurden aber bald in ganz Europa nachgeahmt. Indiennes waren begehrt: Sie waren farbenfroh, weich und deutlich günstiger als Seide.

Gedruckt wurde mit geschnitzten Holzmodellen, sogenannten Druckstempeln.

Ein Drucker tauchte den Stempel in Farbe, setzte ihn millimetergenau auf den Stoff – und so entstand Muster für Muster, Meter für Meter. Diese Handarbeit war hochpräzise. Manche Stempel waren so fein graviert, dass ein einziger Fehler einen ganzen Stoffballen ruinieren konnte. Einige dieser Originalmodelle sind noch heute im Museum erhalten – ein eindrucksvolles Zeugnis des damaligen Handwerks.

Zunächst konzentrierte sich die Produktion auf das Blaufärben mit Indigo – einer tiefblauen Farbe, die aus der Indigopflanze gewonnen wurde. Um 1830 führte Greuter dann die Rotfärberei ein. Die leuchtende Farbe wurde aus den Wurzeln des Färberkrapps gewonnen.

Das Türkisch-Rot-Verfahren war kompliziert: Bis zu zwanzig Arbeitsschritte waren nötig. Die Baumwolle wurde unter anderem in Öl, Pottasche-Sud, Schaf- oder Kuhmist und sogar Rinderblut eingeweicht, bevor sie gefärbt wurde. Das klingt heute ungewöhnlich, war aber modernste Technik ihrer Zeit.

Nach dem Färben und Bedrucken mussten die Stoffe getrocknet und gebleicht werden. Hierfür diente der Trockenturm, von dem die Stoffbahnen herabhingen und trockneten, und neben der Fabrik lagen weite Bleicherwiesen. Dort wurden Stoffbahnen ausgebreitet und im Sonnenlicht gebleicht – ein vertrautes Bild in der damaligen Textilindustrie.

Mit der Zeit wurde die Fabrik zu einer der grössten Textildruckereien der Schweiz: 1837 arbeiteten hier 400 Personen an bis zu 180 Drucktischen, und 1860 kamen dampfbetriebene Druckmaschinen hinzu.

Von hier aus gingen die fein bedruckten Baumwollstoffe in alle Welt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts änderte sich der Markt grundlegend. Englische Textilfabriken produzierten in Massen – schneller, billiger und mit neuen synthetischen Farbstoffen wie Alizarin, das den traditionellen Färberkrapp verdrängte. Der Greuterhof konnte mit dieser industriellen Konkurrenz nicht Schritt halten. 1880 wurde die Zweigstelle in Frauenfeld geschlossen, 1885 folgte das endgültige Aus für das Unternehmen Greuter.

Der Greuterhof steht heute für diese Pionierzeit des Textildrucks, in der Handwerk, Technik und Unternehmergeist miteinander verschmolzen.

👉 Die nächste Station zeigt die Lage des Greuterhofs auf einer Schautafel – und veranschaulicht seine strategische Position zwischen Zürich, Winterthur und dem Bodensee, die für den Handel und Export seiner Stoffe entscheidend war.

Begeben Sie sich nun zu Station 5

Station 4: Haus «Zum Pflug» – Färberei und Textildruck
QR-Code Scannen